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Leistungsstark - Freundlich - Bezaubernd - Robust

diese Worte beschreiben am ehesten die einzigartige Rasse

 

Fellpony

 

Geschichte:

Wie lange es die Ponys in den Fells, den rauen Hügeln der nordenglichen Grafschaften Cumberland und Westmoreland an der Grenze zu Schottland schon gibt kann niemand mehr mit Bestimmtheit sagen. Auf alle Fälle lange, sehr lange. Zwar gibt es ein offizielles Stutbuch "erst" seit 1898, geführt von der Fellpony Society England, aber die Rasse ist viel älter. Richtiger wäre es allerdings, für die Jahrhunderte zuvor nicht von einer Rasse, sondern einem Landschlag zu sprechen, denn die Zuchtauswahl fand traditionell nicht etwa nach einem festgelegten Rassestandard statt, sondern nach den Gebrauchseigenschaften und durch die natürliche Selektion in der halbwilden Herdenhaltung.

 

Traditionell wurden die Ponys in großen, halbwild lebenden Herden ganzjärig zusammen mit den Schafen im Freien auf den so genannten "Commons", den für alle zugänglichen Weideflächen gehalten. Hier sorgten Klima, Bodenbeschaffenheit und Vegetation der rauen, kargen Fells für eisenharte Gesundheit, Genügsamkeit und Robustheit. Auch unfehlbare Trittsicherheit lernten die Ponys von Fohlenbeinen an, wenn sie sich hier zwischen Moorlöchern und Felsbrocken bewegen mussten. Die Ponys bugsierten Torf in zweirädrigen Karren aus dem Moor nach Hause, schleppten Blei in Körben von den Minen im Landesinneren über gewundene Trampelpfade zu den Seehäfen, zogen die Familie Sonntags im leichten Wagen zur Kirche und den Pflug, wo der karge Boden überhaupt zu bestellen war. Die erste und hauptsächliche Verwendung war aber nach Meinung britischer Autoren nicht die als Zug-, sondern als Reit- und Tragetier. All das steht im Präteritum, weil die traditionelle Haltungsform im Ursprungsgebiet mehr und mehr im Schwinden begriffen ist. Die Landwirtschaft im unwirtlichen, englischen Norden lohnt sich längst nicht mehr, die junge Generation führt die Betriebe ihrer Eltern nicht mehr weiter und sucht in den Städten nach Arbeit. Eins der letzten grossen Fellgestüte, "Heltondale" unter der Leitung von Sarge Noble, gab 1995 auf und verkaufte über hundert Ponys in einer Auktion. Zwar hat das Fellpony inzwischen durchaus anderswo in Grossbritannien und auch auf dem europäischen Felstland Liebhaber und neue Züchter gefunden doch es stellt sich die Frage, inwiefern die wertvollen ursprünglichen rassetypischen Eigenschaften  wie Härte, Ausdauer, Genügsamkeit und Unkompliziertheit verloren gehen, wenn Haltung und Aufzucht sich so radikal ändern wie es derzeit der Fall ist.

 

Charakter:

Rassebeschreibungen in Pferdebüchern und -zeitschriften neigen ja gerne dazu, eigentlich jede Rasse - also die jeweils gerade vorgestellte - als ausgesprochen unkompliziert, kindergeeignet, hart, robust, leistungsfähig und so weiter darzustellen. Was davon trifft nun auf die Fells zu? Vielleicht ist es recht treffend, ihnen ähnliche Eigenschaften zuzuschreiben, wie sie auch menschliche Bergvölkchen aus unwirtlichen Gegenden haben: Genügsamkeit und Ausdauer, Gutmütigkeit, aber auch Schläue und ein gewisser Eigensinn. Manche Fellpony Besitzer berichten gar von geradezu "typisch britisch" anmutenden, liebenswert-komischen Schrullen ihrer Vierbeiner. Fells sind gern mit Menschen zusammen, suchen den Kontakt und sind stets freundlich - auch Anfängern gegenüber, denen sie so manchen aus Unwissenheit begangenen Fehler grossmütig verzeihen. Tragen sie behinderte Menschen oder ganz kleine Kinder auf dem Rücken, scheinen sie dies nach übereinstimmenden Berichten mehrerer Besitzern zu spüren und nehmen Rücksicht, obwohl sie vielleicht sonst im reiterlichen Alltag auch mal ganz schön frech werden können. Nur wirklich ungerechte Behandlung lassen sie sich nicht lange  gefallen. Es sind eben einfach Ponys: gewitzt, hellwach und selbstbewusst. Sie möchten nicht wie vierbeinige Showstars gehalten und behandelt werden, sondern als die urigen und leistungsbereiten Typen, die sie sind: mit viel Abwechslung und einer Arbeit die sie wirklich fordert. Wie bei jeder Robustrasse sind Nichtstun und Verfettung die grössten Feinde des Fellponys! Weiss der Besitzer seinen kleinen Bergbewohner mit dem richtigen Respekt zu behandeln, seine Persönlichkeit zu schätzen und seine haltungsbedürfnisse zu erfüllen, kann er mit ihm fast alles machen: Wanderreiten, Jagdreiten, einfach nur Spazierenreiten, Springen und Dressur in dem Ausmass wie es die körperlichen Voraussetzungen eben erlauben und das ist gar nicht so wenig, Einsatz im Voltigieren (da sind der breite Rücken und die niedrige Höhe schön) oder auch Fahren.

(Quelle: Pegasus 2005)

 

You can´t put a fell to the wrong job

Man kann dem Fellpony gar keine Aufgabe stellen der es nicht gewachsen ist.

 

 

Steckbrief

 

Herkunft:

Nordenglische Grafschaften Cumberland und Westmoreland

 

Stockmass:

nicht höher als 142,2 cm

 

Farben:

Besonders häufig Rappen, seltener Braune und Schimmel

 

Exteriteur:

Kopf: klein, gut aufgesetzt mit klarem Umriss und breiter Stirn; grosse, denhbare Nüstern; strahlendes, sanftes Auge; kleine, gut geformte Ohren; Ganaschen und Kehle edel geformt.

Hals: Hals von proportionierter Länge, bei Hengsten nicht zu schwerer Kamm.

Körper: gute, schräge Schulter, nicht zu fein am Widerrist, nicht zu schwer am Buggelenk; Schulterblatt lang mit gut entwickelter Muskulatur, kurzer, gut geschlossender Rücken, muskulöse Lenden; tiefer Rumpf, rundrippig; Hinterhand quadratisch, kräftig mit gut angesetztem Schweif.

Fundament: sehr kräftig; runde, offene Hufe von besonderer Härte aus charakteristischerweise "blauem" Horn; schräge, nicht zu lange Fessel; Vorderbein kräftig und gerade; gut geformtes, grosses Vorderfusswurzelgelenk;  kurze, "flache" Röhre, (Umfang nicht unter 20cm); Hinterbein mit gutgeformtem Schwenkel, Sprunggelenk klar geschnitten, weder kuhhessig noch fassbeinig.

 

Bewegungen:

Energischer, raumgreifender Schitt, Trab ausbalanciert mit guter Aktion, gut untergesetzt, viel Gang.

 

Einsatzmöglichkeiten:

Vielseitiges Reit- und Fahrpony, geeignet für das therapeutische Reiten und den Ein.satz in der Landwirtschaft.

 

Besondere Merkmale:

Die Beine tragen einen üppigen Kötenbehang, der im Sommer teilweise abgeworfen wird; raues oder lockiges Haar ist unerwünscht; ausdauernd, robust, leichtfuttrig, sehr gute Konstitution; lebhaft und aktiv

Rosegarden - Fellpony
martina_schilk@yahoo.de